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ADOLF REICHWEIN

Pädagoge & Widerstandskämpfer

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Pionier der Medienpädagogik

Schon in den 1930er-Jahren war Adolf Reichwein einer der ersten Pädagogen, die das damals neue Massenmedium Film systematisch und reflektiert in den Schulalltag integrierten. Seine Publikation „Film in der Landschule. Vom Schauen zum Gestalten“ aus dem Jahr 1938 gilt als ein wegweisendes Standardwerk der frühen Medienpädagogik.
Der Journalist und Historiker Joachim Meißner beleuchtet diese Konzepte in seinem Podcast „Adolf Reichwein – Pionier der Medienpädagogik“ aus der Reihe „Das Wissen“ von SWR Kultur.

1934 ernannte die „Reichsstelle für den Unterrichtsfilm“ (RfdU) die Schule in Tiefensee, an der Adolf Reichwein von 1933 bis 1939 tätig war, offiziell zur Versuchsschule für den Unterrichtsfilm. Dabei erfüllte die Filmarbeit dort wesentliche Aufgaben, die auch die demokratische und weltoffene Haltung von Adolf Reichwein widerspiegelten: Da den Kindern im abgelegenen Dorf der Zugang zu Museen, Zoos oder fernen Ländern fehlte, durchbrach das neue Medium diese Isolation. Adolf Reichwein zeigte Filme über ferne Kulturen, Geografie und moderne Technik, wie z.B. Fabrikprozesse oder den Flugzeugbau, um den Kindern trotz der ländlichen Enge einen globalen Horizont zu vermitteln.

Während das NS-Regime den Film als Mittel der propagandistisches Massenbeeinflussung missbrauchte, wollte Adolf Reichwein damit die Urteilskraft der Kinder stärken, indem er sie lehrte, genau hinzusehen, Strukturen zu hinterfragen und das Gesehene selbstständig sprachlich zu verarbeiten. Für ihn war der Film kein reines Unterhaltungsmedium oder isoliertes Anschauungsmaterial, sondern ein Bestandteil des ganzheitlichen Lernens. Er begründete dies mit seiner Theorie der „Schulung des Sehens“ und entwickelte dafür eine dreistufige Methode für den Filmeinsatz, die heutigen medienpädagogischen Standards verblüffend ähnlich ist:

1. Die Vorbereitung: Bevor ein Film gezeigt wurde, erarbeiteten die Kinder das Thema theoretisch und praktisch. Beim Vorhaben „Verkehrsflugzeug“ bauten sie beispielsweise zuerst flugfähige Holzmodelle.
2. Die Vorführung als „Seh-Arbeit“: Der Film wurde im abgedunkelten Klassenzimmer gezeigt. Adolf Reichwein plädierte dafür, den Film während der Vorführung anzuhalten, um über einzelne Einstellungen zu sprechen. Die Kinder mussten lernen, die Bilder zu analysieren, statt sie nur passiv zu konsumieren.
3. Sprachliche Nachbereitung: Nach dem Film mussten die Schülerinnen und Schüler das Gesehene in eigenen Worten beschreiben. Adolf Reichwein führte detaillierte Sprachanalysen durch. Er untersuchte, wie sich der Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit der Dorfkinder durch das visuelle Erlebnis veränderten und präzisierten.

 

Begleithefte
Die kleinen Hefte, die damals direkt in die runden Blechdosen der Filme gelegt wurden, waren die sogenannten offiziellen Begleithefte der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm (RfdU). Sie waren im Grunde das erste systematische Lehrmaterial für den Medieneinsatz in Deutschland. Diese Kombination aus Film und Heft war der direkte Vorläufer des heutigen Schulmedien-Systems.

Die Hefte hatten eine ganz konkrete technische und pädagogische Funktion, denn die Unterrichtsfilme der 1930er-Jahre waren fast ausschließlich Stummfilme. Das Begleitheft enthielt ein exaktes Protokoll des Films und listete jede einzelne Szene, jede Bildeinstellung und die genaue Zwischenüberschrift auf. Der Lehrer (oder ein älterer Schüler) las die Erklärungen passend zum Bild live im Klassenzimmer vor. Die Hefte lieferten Hintergrundwissen, Grafiken und didaktische Vorschläge, wie das Filmthema im Unterricht vor- und nachbereitet werden sollte.

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